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Aus der Geschichte

Steckbrief !!!

 Gesucht wird der Schmiedemeister und Gastwirt Wilhelm Lindenberg aus Eggersdorf
Nachstehender Steckbrief wird erneuert.

Gegen den Schmiedemeister und Gastwirt Wilhelm Lindenberg aus Eggersdorf ist die gerichtliche Haft wegen Urkundenfälschung aus § 247 des Strafgesetzbuches beschlossen worden. Seine Verhaftung hat nicht ausgeführt werden können. Es wird ersucht, ihn im Betretungsfalle festzunehmen und mit allen bei ihm sich vorfindenden Sachen und Geldern an unsere Gefängnisinspektion abzuliefern. Alt-Landsberg, den 1. Oktober 1870
Königliche Kreisgerichtsdeputation
Der UntersuchungsrichterSignalementDer Schmiedemeister und Gastwirt Johann Friedrich Wilhelm Lindenberg ist im Jahre 1834 zu Eggersdorf bei Bahnhof Strausberg geboren, von kräftiger untersetzter Statur, hat blonde Haare und Augenbrauen, kleine blaugraue Augen, runde Gesichtsbildung, gesunde Gesichtsfarbe, vollständige Zähne und trug keinen Bart.

Alt-Landsberg, den 8. März 1871
Der Untersuchungsrichter

Quelle: Königlich Preußischer Staatsanzeiger
Berlin, 18. März 1871

Mühlenfließ

 

Alte Ansichten von „Hohenfließ“

Die Villenkolonie Hohenfließ befand sich in Eggersdorf-Nord in der Nähe des Bötzsee-Südwestufers und gehörte postalisch zu Strausberg II (An der Ostbahn). Sie entstand rund um einen seit dem 18. Jahrhundert bestehenden Krug (Ausschank) an der Altlandsberger Chaussee, im Volksmund „hungriger Wolf“ genannt. Die erste Villa wurde 1892 errichtet. Als das Gasthaus 1894 abbrannte, baute es sein Besitzer Johann Edmund Ferdinand Dam (daher der heutige Straßenname) größer und schöner wieder auf. Als Gegenstück wurde am Himmelfahrtstag des Jahres 1900 „schräg gegenüber“ auf Strausberger Gebiet das Lokal „Rotkäppchen“ eröffnet (jetzt „Villago“). Im Jahr 1902 wies das „freundlich aufstrebende Villenörtchen“ neun massive Villen und 14 Sommerhäuser mit 35 Seelen auf. Zum 28.12.1904 lebten dort 45 Personen in elf Schmuckhäuschen und zwei Villen im Neubau. Aus diesen Kreisen ging der am 11.12.1904 von 32 Mitgliedern gegründete „Verschönerungsverein Eggersdorf- Hohenfließ“ hervor. „Diese nichtpolitische Vereinigung will das Aufblühen und die Entwicklung der Kolonie fördern und hat z.B. in Sachen besserer Verkehrswege pp. ein großes Arbeitsfeld vor sich“ (nach Alexander Giertz i. J. 1905, S. 726 - 735).
Unsere Bilder zeigen das Haus „Monbijou“ auf einer am 31.12.1912 als Neujahrsgruß aus Berlin verschickten Post-karte, sowie eine Ansicht vom Bötzsee um 1919. -hk-

Veröffentlicht in: „Das Doppeldorf“ Februar 2006, S. 22


Aus der Ordnung für Lustbarkeitssteuern in Petershagen vom 19. 6. 1921 :

Für die im Bezirk der Landgemeinde Petershagen stattfindenden öffentlichen Lustbarkeiten sind an die hiesige Gemeindekasse nachstehende Steuern zu entrichten, und zwar

1. Für die Veranstaltung einer Tagesbelustigung
   a) wenn diese längstens bis 12 Uhr nachts dauert 30,-- M
   b) wenn dieselbe über 12 Uhr nachts hinausdauert 40,-- M
   c) wenn dieselbe von Masken besucht wird 50,-- M
2. Für die Veranstaltung einer Kunstreitervorstellung
   a) wenn bei derselben ein Eintrittsgeld von höchstens
       1,-- M erhoben wird 10,-- M
   b) wenn bei derselben ein Eintrittsgeld vom mehr als 1,-- M erhoben wird 16,-- M
3. für die Veranstaltung eines Konzerts oder einer Theatervorstellung 16,-- M
4. Für Gesangs- und deklamatorische Vorträge (sogenannte Tingel-Tangel) für den Tag 16,-- M
5. Vorträge auf dem Klavier, einem mechanischen oder anderen Musikinstrument in Gastwirtschaften,    Schenkstuben, öffentlichen Vergnügungslokalen, Buden oder Zelten.
   a) bis Mitternacht 10, -- M
   b) über Mitternacht hinaus für den Tag 16,-- M;
6. Für Vorstellungen von Gymnastikern, Equilibristen, Ballett und Seiltänzern, Taschenspielern, Zauberkünstlern, Bauchrednern und dergleichen
   a) wenn bei derselben ein Eintrittsgeld von höchstens
1,-- M erhoben wird, für den Tag 10,-- M
   b) wenn bei derselben ein Eintrittsgeld vom mehr als
1,-- M erhoben wird 20,-- M
7. Für das Halten eines Karussells, einer Würfel- oder Schiessbude für den Tag 6,- M
8. Für eine Kinoaufführung 30,- M
9. Für öffentliche Belustigungen der vorher nicht gedachten Art, insbesondere für das Halten eine Marionettentheaters, für das Vorzeigen eines Panoramas, Wachsfigurenkabinetts, Museums für den Tag 10,- M.

Hinweis: Zurzeit gilt für Petershagen/Eggersdorf die Vergnügungsteuersatzung vom 19.10.2006.

Dr. Holger Krahnke, Archivar


Quelle: „Das Doppeldorf“ September 2003, S. 18


Überschwemmungsschäden in Petershagen (1927) :

An die Regierung Potsdam

durch den Herrn Landrat Niederbarnim Berlin

P[etershagen], 4. Februar 1927

Betrifft: Antrag auf Bewilligung einer Beihilfe zur Beseitigung von Ueberschwemmungsschäden

Im Preussischen Landtag ist der nachstehende Antrag unter Nr. 4887 eingebracht worden:

„In der Gemeinde Petershagen (Ostbahn) befinden sich infolge Ueberschwemmung fast sämtliche Strassen und Wege in völlig unpassierbarem Zustande. Weder Arzt noch Postbote können in die Häuser gelangen. Die Keller stehen unter Wasser. Dringende Abhilfe ist deshalb geboten. Die Gemeinde hat fast ausschliesslich Arbeiterbevölkerung. Durch Unterschlagungen und Betrügereien früherer Gemeindebeamten ist nicht nur die Gemeindekasse leer, sondern die Gemeinde hat noch eine gewaltige Schuldenlast. Infolgedessen können weder die unbedingt notwendigen Grabenregulierungen noch die Strassenbefestigung vorgenommen werden.

Der Landtag wolle daher beschliessen: Das Staatsministerium wird beauftragt, der Gemeinde Petershagen (Ostbahn) die erforderlichen Mittel in Höhe von 30 000,— R.-M. sofort zur Verfügung zu stellen.“

Die in vorstehendem Antrage gemachten Angaben entsprechen vollinhaltlich den Tatsachen. Es wird daher gebeten, auch von dort aus geeignete Schritte unternehmen zu wollen, die der Gemeinde möglichst bald die notwendigen Mittel verschaffen.

Gez. Nicke.

beglaubigt: (Stierwald)

Gemeindesekretär


Quelle: „Das Doppeldorf“ September 2006, S. 6

Aus einem Werbetext von 1928 :

Petershagen, Luftkurort
Ausgedehnte private und fiskalische Laub- und Nadelwälder, große staubfreie Grünflächen, Wasserleitung, elektr. Licht. Idyllisch am herrlichen Stienitzwald mit angrenzendem Stienitzsee gelegen. Sportmöglichkeiten: Segeln, Rudern usw. Sportplatz, Badeanstalt. Ausgangspunkt für größere und kleinere Wanderungen vom Bahnhof Fredersdorf oder Bahnhof Petershagen (30 Minuten vom Schlesischen Bahnhof) nach dem Stienitzwald und Stienitzsee, Altlandsberger und Strausberger Stadtforst mit Bötz- und Straussee und Kalkberge - Rüdersdorf (Kalksee, Krämersee und Kesselsee). Billige Sommerwohnungen. Arzt und Apotheke. Zahlreiche Baugeschäfte. Zweigstelle der Sparkasse des Kreises Niederbarnim in Fredersdorf und Nebenstelle der Kreditbank Kalkberge in Petershagen. Autotaxen am Bahnhof. Omnibusverkehr. Petershagen liegt an der Ostbahn (Berlin-Küstrin vor Strausberg) und hat zwei Bahnhöfe Fredersdorf und Petershagen, Richtung Rüdersdorf. Äußerst schnelle Entwicklung durch Erweiterung der Kolonien und Siedlungen. Auskunft und Vermittlung durch das Siedlungs- u. Verkehrsbüro in der Badeanstalt.

Wiederabgedruckt in : „Das Doppeldorf“ Januar 2004, S. 13


„Die Wohlfahrtspflege in der Gemeinde Petershagen“ (1932)

Seit dem Jahre 1930 ist die Zahl der Unterstützungsempfänger und Hilfsbedürftigen aller Art auch bei uns unaufhaltsam größer und größer geworden. Mehr als 150 Wohlfahrtserwerbslose sind zur Zeit vorhanden. Dazu kommt noch eine Reihe von Sozial- und Kleinrentnern, so dass 200 Personen mit ihren Familien und sonstigen Angehörigen auf öffentliche Mittel angewiesen sind, um bloß ihr nacktes Dasein zu fristen. …
Im vorigen Jahre [1931] wurde aus Gemeindemitteln für Arbeitsbeschaffung 28 000 RM [Reichsmark] ausgegeben. Hinzu kommen noch rund 4000 RM anderer Ausgaben an zusätzlicher Leistung zu der kargen Wohlfahrtsunterstützung. Es handelt sich hauptsächlich um Lieferung von Milch an Säuglinge und kleinere Kinder. Aber auch Schwerkranke (Magen- und Lungenkranke) mußten mit einem Zuschuß von kräftigenden Nahrungsmitteln versehen werden. Es ist dies immerhin eine beachtenswerte Leistung seitens der Gemeinde.
Durch die Errichtung der Siedlung konnte ebenfalls Lohn und Brot für eine größere Anzahl Erwerbsloser geschaffen werden. Ebenso hatten einheimische Handwerker und Gewerbetreibende gute Verdienstmöglichkeiten. …
Für dieses Jahr sind durch den Bau des Feuerwehrdepots und den geplanten Schulhausbau wiederum Arbeitsgelegenheiten vorhanden. Alle Arbeiten werden zu tariflichen Bedingungen ausgeführt. Geplant ist ferner eine Regelung der sogenannten Pflichtarbeit. Es soll den daran beteiligten Erwerbslosen ein kleiner Zuschuß gewährt werden. Auch dadurch wird eine bescheidene Erleichterung der Notlage in den betreffenden Kreisen eintreten. …“

Stark gekürzt aus: „Rund um’s Gemeindeparlament“, Jahrgang 1932, Nr. 1, März, S. 3 –hk-

Quelle: „Das Doppeldorf“ Oktober 2003, S. 18


Kurioses aus dem Gemeindearchiv

Herrn Amtsvorsteher Rosin, Fredersdorf
Ich, Endesunterzeichneter, mache hiermit folgendes (!) Meldung: Ich wohne in Bruchmühle und benutze nach meiner Arbeitsstelle Berlin, von meiner Wohnung nach Bahnof (!) Fredersdorf und von da zurück, mein Fahrrad. Bei trockenem Wetter fahre ich längs der Andreas Hofer Straße (Gemeinde Petershagen)
Am Mittwoch, d. 8.2.33 abends 6 Uhr fuhr ich wieder, da es trocken war, die Andreas Hofer Straße entlang. Da mir die Straße in ihrer Beschaffenheit die Jahre her genügend bekannt ist, fuhr ich ahnungs- und arglos dahin. (Bemerken möchte ich, dass ich ein neues Ballonrad mit prima Beleuchtung fahre).
In der Nähe der Viktoria Straße stürzte ich in einen Graben, welcher sich quer über die Straße zog. An dieser Stelle geht ein Kanal unter der Straße hin. Diese Einbruchstelle war schon, wie mir Augenzeugen bekunden, am Sonntag, d.5.2.33. Auch heute soll die Stelle noch offen sein.
Ich stürzte dermassen über oder in dieses Loch, daß ich besinnungslos liegen blieb und befinde mich seit dem Tage in ärztlicher Behandlung bei Herrn Dr. Manasse, Petershagen. Die Verletzungen an meinem Kopfe sind derart, dass ich bis heute die Arbeit noch nicht aufnehmen konnte.
Durch den Leichtsinn der verantwortlichen Stellen hätte sich bald mein Leben eingebüßt oder konnte noch schlimmer verunglücken, dass ich zum Krüppel hätte werden können und eine neunköpfige Familie wäre ihren Ernährer los gewesen.
Wenn ich von einem Schmerzensgeld sowie Erstattung der Unkosten für die Beschädigung des Rades absehe, so ersuche ich Sie, die verantwortlichen Stellen für meinen Lohnausfall, der mir durch diesen Unfall entstanden ist, haftbar zu machen.
An derselben Stelle sind noch folgende, mir bekannte Personen verunglückt:
Herr Kaufmann Sonneck, Bruchmühle, Kaiser-Wilhelm Straße. „ Otto Wasgint, Radebrück 8Hochachtend! Gez. Georg Namsel.
Für die Richtigkeit der Abschrift: Petershagen, den 2. März 1933 Der Gemeindevorsteher Grassnick




Der Giebelpfuhl in den 1930er Jahren

Schon vor siebzig Jahren beschäftigte das Thema „Giebelsee“ die Menschen in Petershagen, wie aus den Akten im Gemeindearchiv hervorgeht. Im Rahmen des reichsweiten „Reinhardt-Programms“ (so genannt nach dem Staatssekretär im Finanzministerium) erhielt die Gemeinde Petershagen von der „Deutschen Gesellschaft für öffentliche Arbeiten“ (Oeffa) ein Darlehen für die Entwässerung und Fertigstellung des Gebiets rund um den „Giebelpfuhl“. Die Arbeiten begannen am 18. September 1933 und wurden am 20. April 1935 beendet. Die Endabrechnung zog sich noch bis Ende 1937 hin.
Leider geht aus der Kostenaufstellung nicht hervor, was genau am Giebelsee gemacht wurde. Nur zufällig wissen wir, dass bei Ausbaggerungsarbeiten fünf Feldbahnkipper des Fabrikats Dolberg zum Einsatz kamen.
Die Überwachung der Arbeiten hatte ohne Ausschreibung die Strausberger „Gustav Mey Straßenbau GmbH“ übernommen. Planung und Bauleitung (Bauleiter Teschner) kosteten 5.170 RM. Eigene Stammarbeiter brachte die Tiefbaufirma nicht mit. Auf fortgezahlte Arbeitslosen-, Krisen- bzw. Wohlfahrtsunterstützung entfielen 45.630 RM. Hinzu kam der Kredit der „Oeffa“ in Form von Bedarfsdeckungsscheinen über 20.900 RM, sowie 10.000 RM für Naturalleistungen und 500 RM für Material. Insgesamt 173 Personen setzte die Arbeitsbeschaffungsmaßnahme vorübergehend in Lohn und Brot.
Am 21. Mai 1935 gab Bürgermeister Pudack bekannt:
„Nachdem nunmehr der Giebelpfuhl genügend Wasser enthält und nach menschlichem Ermessen auch in Zukunft enthalten dürfte, wird er nunmehr mit Edelfischen besetzt. Es soll hiermit in den kommenden Jahren eine Angelgelegenheit für Sportfischer geschaffen werden. Da der Giebelpfuhl inmitten bebauter Ortsteile liegt, ist damit zu rechen, dass die Nachfrager nach Angelkarten beträchtlich sein werden. …Durch die Schaffung der Sportfischergelegenheit hoffe ich, eine Anziehungskraft für Rentner, Beamte und sonstige naturliebende Volksgenossen geschaffen zu haben. Wenn der Park angelegt sein wird, so dürfte der Giebelpfuhl eine ideale Erholungsstätte werden.“
Daraufhin wurden 2.400 Edelfische zum Preis von ca. 145,- RM im See ausgesetzt, nämlich Riesenschleie, Schleie, Karpfen und Satzaale. Im nächsten Jahr erfolgte ein erneuter Besatz.

Zum 1.4.1937 wurde der See an den „Sportfischer-Verein Petershagen“ verpachtet. Zuvor hatte die Gemeinde schlechte Erfahrungen mit dem „Anglerverein Giebelpfuhl“ und mehreren Privatpersonen gemacht. Die Pächter konnten oder wollten nicht zahlen und klagten über unbefugte Wasserentnahme aus dem „Moderloch“. 1937 stellte die Gemeinde für eine Woche einen Mann zum Entkrauten ab. 1941 gab es Beschwerden über unerwartetes Anstauen im Sommer und gefährliche Eislöcher im Winter.

Bei einer Ausschreibung am 21. September 1929 hatten sich rund zehn Bewerber gemeldet. Sie interessierten sich für die Fische, das Befahren mit Booten, die Nutzung von Schilf, Rohr und Seerosen (letzteres war verboten!) und durch Eisverkauf. Im Winter 1934/35 verwendete ein Max Bieck gegen Entgelt das Rohr des südlichen Giebelpfuhls zum Einmieten seiner Rüben. Der Vereinsführer Helmut Schulz wollte 1939 als Gemüseland und „zum Ausbau eines kleinen Zuchtteiches für Karpfen“ die sog. Schwaneninsel pachten. Dort muss es wirklich Schwäne gegeben haben, denn am Ostermontag des Jahres 1937 hatte ein Hund einen Schwan gerissen, und im März 1938 wurden die Schwäne auf Gemeindekosten gefüttert.
Der kleine, finanzschwache Sportfischer-Verein löste sich bald auf. Der o.g. Gemeindevorarbeiter Helmut Schulz führte die Pacht fort. Unter Hinweis auf die Wichtigkeit der Teichbewirtschaftung für die Volksernährung nach dem Vierjahresplan erreichte er einen langfristigen Pachtvertrag bis zum 31.03.1950.
Am 18.6.1951 musste die Gemeinde feststellen: Der ca. 3,6 ha große und ca. 1,5 m tiefe Giebelsee „befindet sich in schlechtem Zustand, da die Ufer und zum Teil auch der See dicht mit Schilf besetzt sind.“

Zuerst eröffentlicht in : „Das Doppeldorf“ Januar 2006, S. 10

„Bedenken wurden nicht erhoben“
Geplanter Ausbau der Lessingstraße 1939

„Niederschriftüber die Beratung der Beigeordneten und Gemeinderäte am Freitag, dem 7. März 1939, abends 7 1/2 Uhr, im Gemeindeamt, Adolf Hitler Strasse 9.

1. Befestigung der Lessingstraße von der Kaiser Wilhelm Strasse bis zur Rückertstrasse.
Der Bürgermeister teilte hierzu mit, dass die Lessingstrasse von der Kaiser Wilhelm- bis zur Rückertstrasse befestigt werden soll, (Fahrdamm, Bordsteine und Radfahrweg), da eine dringende Notwendigkeit hierfür vorliegt. Die Pflasterung wird, wie es in der Kaiser Wilhelm Strasse geschehen ist, vorgenommen.
Die Anlieger werden nach den gesetzlichen Bestimmungen zu den entstehenden Kosten herangezogen. Nach den Ausführungen des Bürgermeisters erfolgte eine längere Aussprache.
Der Beigeordnete legte einen Kostenanschlag (unverbindlich) als Anhalt vor.
Der Bürgermeister will die Ausschreibung der Arbeiten vornehmen.
Bedenken wurden nicht erhoben.“

Anmerkung:
Die Adolf-Hitler-Str. ist die heutige Rathausstraße, die Kaiser-Wilhelm-Str. die Karl-Liebknecht-Straße. -hk-



Veröffentlicht in : „Das Doppeldorf“ April 2007, S. 14

Halb Dorf, halb Städtchen.
Für einen Taler Wochenende (1934)
„Ich meine, wenn ich Petershagen sage, den wundervollen Wald zwischen Petershagen und dem Stienitzsee. Aber Petershagen ist mir geläufiger. Denn dort hatte mein Schwager ein nettes Landhaus, in dem wir uns immer erst die Grundlage legten, wenn wir in die Wälder zogen.
Aber diese Grundlage kann sich derjenige, der nicht das Glück hat, in Petershagen einen so netten Schwager wohnen zu haben, von Berlin aus ja mitnehmen. Petershagen ist ein ganz niedlicher Flecken, so halb Dorf, halb Städtchen, mit vielen Gärten, eigenem Bahnhof, beruhigend wenig Gasthäusern. Es liegt an der Ostbahn. Steigt man irgendwo in Berlin in die Stadtbahn ein, dann fährt man dritter Klase für 70 Pfennig nach Petershagen. Umsteigen Schlesischer Bahnhof [heute Ostbahnhof H.K.]: Fernbahnsteig! Schon das allein macht diesen Ausflug zu einem interessanten.
Ein Ausflug nach Petershagen dauert eine Stunde. Und noch mehr. In Fredersdorf steigt man richtig um. Mit Kursbuch und so: „Verzeihen Sie, wo steht denn der Zug nach Petershagen?“ Man kommt sich dabei vor – alles für 70 Pfennig! - als stünde man auf dem Bahnhof von Breslau und fragte nach dem Anschlußzug nach Kattowitz. Eine Station nach Fredersdorf, an der Strecke nach Strausberg, liegt dann Petershagen.
Petershagen ist ein unerläßlicher Stützpunkt für die weiteren Operationen dieses Wochenendausfluges. Ohne Schwager geht man besser rasch durch Petershagen durch und … Ja, sehen Sie, jetzt beginnt schon der herrliche Wald. Gelbe Sternblumen blühen, noch vereinzelte Schneeglöckchen und Anemonen. Von den Hecken her duftet es nach Veilchen. Und es dauert gar nicht mehr lange, dann werden die Walderdbeeren blühen. Walderdbeeren, also, solche fülligen Felder von Walderdbeeren wie hier in diesem urwüchsigen Walde zwischen Petershagen und dem Stienitzsee habe ich bisher nirgendwo gefunden. … Sie halten jeglicher Konkurrenz statt.
Verlassene Lichtungen, in denen kleine Seen aufblitzen, wechseln ab mit tiefen Waldstrecken, mit dichten Schonungen und schmalen Wildwechseln. Auf weichen Waldwegen durch gepflegte Bestände und sorgfältig hochgezogenes Unterholz hindurch führen die Wege schließlich zum Stienitzsee. Breit dehnt er sich aus. Hinter den Wäldern der gegenüberliegenden Seite steigen die Kalkberge von Rüdersdorf auf. Dampfer ziehen wie riesige, weiße Vögel über den glatten Spiegel. … Übrigens kann man ja auch mit dem Dampfer zum Stienitzsee fahren. Aber schon wegen der anfangs erwähnte Reiseillusion ist die Fahrt mit der Bahn vorzuziehen. Und dann für siebzig Pfennige!
Unkostenberechnung: Fahrgeld für zwei Personen noch nicht einen Taler. Wohlgeordnete Klappstullen führt man mit sich. Durch Petershagens Dorfstraße geht man auf der linken Seite, da auf der rechten einige Gasthäuser liegen. Auf der linken Seite ersteht man für zehn Pfennige zwei Apfelsinen [!]. Und dann kommt der Wald. Nichts als Wald. Stundenlang Wald. Und ringsum keine Gelegenheit, Geld auszugeben. Man picknickt in so einer Lichtung mit See. Die Kaffeeflasche stillt den Durst. Abends trudelt man braungebrannt wieder in Petershagen ein. Und geht wieder auf der linken Seite, dieweil nun dort doch die wenigen Gasthäuser liegen. Beim Glas Bier verpasst man vielleicht den ersten Zug. Und trotzdem, wenn man zu Zweien fünf Mark braucht, dann hat man schon geschlemmt! So eine billige Sache ist das mit dem Stienitzsee.“

(Das Wochenende … - wöchentliche Beilage vom 20. April 1934 – Folge 5). Verfasser „S.-P.“, Bearbeiter -hk-

Veröffentlicht in: „Das Doppeldorf“ Juli 2004, S. 8


Petershagen vor siebzig Jahren

Der Kreisschulrat von Niederbarnim-Süd
Tgb.-Nr. 1511 Berlin, den 16. Juni 1935 :

„Petershagen, gelegen an der Bahn Berlin - Strausberg, ist eine ganz typische Stadtrandsiedlung im Osten Groß-Berlins. …
Die erwerbstätige Bevölkerung ist zum ganz großen Teil auf Arbeit außerhalb des Ortes angewiesen; von diesem Teil geht die überwältigende Mehrheit nach Berlin, ein erheblicher Teil jetzt auch in die Reichsautobahnen, die in nächster Nähe des Ortes liegen. Industrie und Gewerbe fehlen fast ganz; die Einkäufe werden fast alle in Berlin getätigt. Die Gemeinde hat 110 Betriebe, deren landwirtschaftliche oder gärtnerische Nutzung die Haupterwerbsquelle ihrer Inhaber ist; nur 12 Betriebe haben den Charakter des Erbhofes erhalten. …
Petershagen ist ein schweres wirtschaftliches Notstandsgebiet, … es gibt auch heute noch Arbeitslose in einer größeren Zahl. ...
Und endlich muss erwähnt werden, dass die ärmlichen Verhältnisse des Elternhauses wenig geeignet sind, die schwere Schularbeit zu unterstützen und zu pflegen. Es lebte unter den Einwohnern lange Zeit die ganz materialistische Auffassung, alles von der Gemeinde zu verlangen ohne Gegenleistung, und stets waren die Eltern zur Opposition, zur Beschwerde, zum Einspruch und zum Widerspruch und Widerstand geneigt: es sind nicht die charakterlich … besten Familien aus dem Osten Berlins nach Petershagen gezogen. … Reste solcher elterlichen Einstellung machen auch heute noch gelegentlich dem Bürgermeister, der Schule und dem Schulrat zu schaffen.“

Erläuterung des Herausgebers :
Erbhöfe waren Bauern mit mehr als 7,5 ha. 1933 hießen sie Breseke (dreimal), Brunner, Gollme, Haase, Körper (zweimal), Kretschmer, Lukas, Madel u. Wolff. –hk-

Quelle : „Das Doppeldorf“ April 2005, S.12

Die Bürokratie eines Terrorregimes
Auf Spurensuche im Gemeindearchiv


Im Gemeindearchiv von Petershagen/Eggersdorf sind die Spuren der nationalsozialistischen Gewaltherrschaft kaum noch erkennbar. Die meisten Akten von 1933 bis 1945 wurden offenbar gezielt vernichtet. Ab und an gibt es verstreute Hinweise, etwa auf die „Winterhilfe“ oder die ab 1939 ausgegebenen Lebensmarken. Hier und da findet man Anzeichen der nationalsozialistischen Ideologie, z.B. die Anfrage eines George Schlochauer mit dem zweiten Vornamen „Israel“, den männliche Juden zusätzlich führen mussten, oder Merkmale der Kriegssituation wie den französischen „Zivilarbeiter“ François (Franz) Ribera. Scheinbar als Teil der normalen Verwaltung kommen in den Bauakten Nachweise über den Verkauf von Grundstücken vor. Man kann daraus aber nicht ersehen, ob die Übereignung vielleicht erzwungen war bzw. ob ein angemessener Preis gezahlt wurde.

In anderen Fällen hat sich die bürokratische Umsetzung des faschistischen Terrors nicht in den Akten der Gemeinde niedergeschlagen, weil sie nicht zuständig war. So wurde jüdisches Vermögen aufgrund einer Verordnung vom 26.4.1938 und weiterer Erlasse systematisch erfasst und teilweise eingezogen. Maßgebliche Behörde war die Reichsfinanzverwaltung in den Ländern. Das Schicksal einiger Juden aus Petershagen und Eggersdorf wird daher in Unterlagen des Oberfinanzpräsidenten Berlin-Brandenburg im Brandenburgischen Landeshauptarchiv in Potsdam dokumentiert.
Diskriminierungen und Schikanen, von der Aberkennung der Staatsbürgerschaft bis zur Erschwerung der Auswanderung, setzten schon lange vor Kriegsbeginn, Judenstern und Holocaust ein. Die bisher erwähnten „Maßnahmen“ richteten sich vor allem gegen Juden.
Wieweit die Volkszählungen von 1933 und 1939 nur die Zählung der Weimarer Republik von 1925 fortschreiben, ist in der Forschung umstritten. Den Nationalsozialisten reichten jedenfalls sie nicht aus. Auf dem Weg über die „Reichsmeldeordnung“ vom 6. Januar 1938 und zahlreiche Sonderkarteien versuchten sie weitere demographische Daten für ihre Zwecke zu gewinnen. Ein wichtiger Schritt zur nahezu totalen Erfassung aller Bürger war die Registrierung aller Personen zwischen dem 5. und dem 70. Lebensjahr nach Geburtsjahrgängen in sog. „Volkskarteikarten“ sowie die Einführung eines Kennkartenzwangs für bestimmte Personengruppen, z. B. Juden.
Für Petershagen blieben die Volkskarteikarten und die Kennkarten erhalten. Die Fragen nach der Ausbildung in Krankheitspflege und „Technischer Nothilfe“, dem Führerschein und der Wehrnummer dürften der Kriegsvorbereitung gedient haben. In Erkundigungen nach körperlichen Behinderungen und Erwerbsbeschränkungen wirft schon die Ausrottung „lebensunwerten Lebens“ ihre dunklen Schatten voraus. Für einige Bürger gab es noch eine Zusatzkennkarte (mit Foto!). Die Auswahlkriterien sind leider nicht ersichtlich.
Die Karteikarten sind eine wichtige Quelle der Ortsgeschichte. Sie enthalten wertvolle Informationen, die selbstverständlich nur unter Berücksichtigung des Datenschutzes und der Persönlichkeitsrechte verwendet werden dürfen. Für Petershagen erstrecken sich die Geburtsjahrgänge von 1867 bis 1945. Die Bürgermeister Franz Mai und Otto Pudack gehören ebenso dazu wie die Ehefrau eines späteren Bürgermeisters sowie eine Tochter des 1944 in Theresienstadt umgekommenen Kaufmanns Moritz Haike. Letztere beantragte nach Kriegsende Unterstützung als Opfer des Faschismus (OdF). Auch andere solcher Anträge sind im Gemeindearchiv, z.B. des Antifaschisten Franz Lahde, nach dem in Petershagen eine Straße benannt ist.
Zum anderen haben sich Namenslisten wirklicher oder vermeintlicher Nazis erhalten, die sich wegen ihrer „braunen“ Vergangenheit zu rechtfertigen suchten. Auch diese Vorgänge wurden administrativ bearbeitet. Paradoxerweise musste also zur Bekämpfung der unheilvollen Auswirkungen der Nazi-Bürokratie ein neuer bürokratischer Apparat in Gang gesetzt werden. -hk

Zuerst veröffentlicht in : „Das Doppeldorf“ Mai 2007, S. 12

Wer war Dr. Manasse ?

Die frühere Bettaquestraße (seit 1936 Hindenburgstraße) in Petershagen heißt seit 1945 Dr. - Manasse - Straße.
Dr. Max Manasse wurde am 6.12.1880 in Lodz geboren. Er sollte die Fabrik seines Vaters Siegmund übernehmen; der Wunsch Arzt zu werden war jedoch stärker. Er begann 1905 mit dem Studium der Medizin an der Universität Berlin, bestand dort 1912 das medizinische Staatsexamen. Im Juni 1913 erhielt er seine Approbation als praktischer Arzt. Von Juni 1913 bis Dezember 1914 war er Assistenzarzt am chirurgischen Ambulatorium einer Berufsgenossenschaft und kam dann als Bataillonsarzt ins Feld. Nach einer Ruhrerkrankung blieb er bis zum Kriegsende ordinierender Arzt am Lazarett Insterburg in Ostpreußen
Nach dem Ersten Weltkrieg ließ er sich in Petershagen nieder, wo er nach eigenen Worten „in schwerer Zeit um seine Existenz kämpfen“ musste. Am 26.10.1929 promovierte er über das Thema „Ein Fall von Spontanruptur einer gesunden Milz“. Die Dissertation widmete er Dr. Wolff, dem Chefarzt des Kreiskrankenhauses Kalkberge.
1923 kaufte er das Haus Lindenstr.10 in Petershagen. Damals wurde er noch als Arzt in Fredersdorf geführt. Laut Adressbuch von 1932 hatte er seine Praxis in Petershagen.
Am 6. April 1932 fand in der Frauengruppe der SPD ein öffentlicher Vortrag von Dr. Manasse über „Schwangerschaft und die Folgen der Unterbrechung” im Restaurant „Zu den 3 Linden” am Bahnhof Fredersdorf statt.
Während der bisherige Lebensweg gut dokumentiert ist, wissen wir über sein späteres Schicksal wenig. 1938 veräußerte er sein Haus an den praktischen Arzt Dr. med. Hans Richter. Anscheinend musste er als Jude in der Nazizeit Deutschland verlassen.
Nach dem Zweiten Weltkrieg soll er in Berlin gelebt haben und um 1960 gestorben sein. Zusätzliche Hinweise sind uns jederzeit willkommen.
Dr. Holger Krahnke, Archivar

Quelle: „Das Doppeldorf“ Dezember 2003, S. 23

Neues über Dr. Manasse

Im Anschluss an den Artikel im Dezemberheft (S. 23) gab uns eine Petershagenerin, die er als Kind behandelte, weitere Auskünfte über diesen denkwürdigen Arzt. Er war mit dem (ebenfalls jüdischen) Hals-Nasen-Ohren-Arzt Dr. Lehr befreundet, der in Berlin in der Budapester Straße praktizierte. Dr. Manasse wanderte 1938 nach Amerika aus. Nach dem Krieg kam er nach Petershagen zu Besuch. Dazu noch ein Nachtrag: Im Adressbuch von Petershagen wird 1908 ein Kaufmann Georg Manasse genannt, der um 1919 ein unbebautes Grundstück in Eggersdorf gekauft haben und 1930 gestorben sein soll. Die Ehefrau Ida geb. Cossmann wanderte am 13.5.1939 nach Kuba aus. Die Schwiegermutter ihres Sohnes hieß Franziska Salomon. Vielleicht waren sie mit „unserem“ Dr. Manasse verwandt.
Ich danke der älteren Dame (Name der Redaktion bekannt) auf diesem Weg ausdrücklich für ihre wertvollen Hinweise und hoffe, dass andere durch weitere „Mosaiksteinchen“ das Bild von Dr. Manasse noch vervollständigen. -hk-

Quelle: „Das Doppeldorf“ Januar 2004, S. 9

Bescheidene Wünsche

Herrn Schulrat Wolff in Berlin
Betr.: Bedarf an Schulbänken usw.Eggersdorf, den 20. April 1944Es besuchen über 100 Kinder aus Berliner Volksschulen die hiesige Schule. Ein von der Gemeinde zur Verfügung gestellter Klassenraum besitzt leider nicht die für den Unterricht notwendigen Schulbänke usw.
Zur Durchführung eines geordneten Unterrichtes sind notwendig: 48 Sitzplätze für 10jährige Schüler (24 Zweisitzer), 1 Schultafel mit Gestell, 1 Lehrertisch, 1 Stuhl, 1 Kartenständer, 1 Schulschrank. Die Abholung der Utensilien würde von hier aus getätigt werden können. Die nächst gelegene Schule dürfte Mahlsdorf sein.
gez. Mark Der Hauptlehrer der Volkschule in Eggersdorf

(Brandenburgisches Landeshauptarchiv Potsdam)

Quelle: „Das Doppeldorf“ November 2006, S. 10

Erinnerung und Gedenken

Ein Gedenkstein für die Opfer von Krieg und Gewaltherrschaft wurde am 15.11.1998 auf dem Eggersdorfer Kirchhof eingeweiht. Zwei Erwachsene und 36 Kinder wurden in den Nachkriegsmonaten 1945 - erschossen, verhungert - neben der Kirche begraben.

In Petershagen erinnert ein Findling an die Opfer der beiden Weltkriege. Ursprünglich zum Gedenken an die Gefallenen von 1914 bis 1918 errichtet und im Oktober 1922 am Dorfanger feierlich enthüllt, wurde der Stein auf den Petershagener Friedhof umgesetzt und mit einer Inschrift zum Gedenken an die Opfer des Weltkriegs von 1939 bis 1945 versehen. Mit einem kleineren Stein daneben möchte die Gemeinde an die hier bekannten, in elf Einzelgräbern und einem Sammelgrab bestatteten, Kriegstoten erinnern.

Ein Denkmal für die Verfolgten des Naziregimes befindet sich in unmittelbarer Nähe der Petershagener Schule an der Eggersdorfer Straße. Seine Errichtung war 1950 vom Gemeinderat einstimmig beschlossen worden. Die Einweihung fand vermutlich im September 1950 statt. Seit 1987 erinnert eine Gedenktafel an der Ostseite an den zeitweise in Petershagen lebenden Kurt Schulze, der Ende 1942 als Mitglied der antifaschistischen Widerstandsorganisation „Rote Kapelle“ hingerichtet wurde.

Eine Gedenkveranstaltung zum 60. Jahrestag des Kriegsendes lenkte erneut die Aufmerksamkeit der Öffentlichkeit auf das lange vernachlässigte Denkmal. Nach einer im Jahr 2006 erfolgten Restaurierung trägt es wieder das rote Dreieck als charakteristisches Zeichen für die Verfolgten des Nationalsozialismus. -hk-

Fotos: Kathleen Brandau

Quelle: „Das Doppeldorf“ Extra 2007, S. 31

Zentrale Gedenkstätte errichtet

Mehr als 60 Jahre sind seit dem Ende des Zweiten Weltkriegs vergangen. Elf Kriegstote liegen auf dem evangelischen Friedhof in Petershagen begraben. Bisher lagen sie verstreut in Einzelgräbern. Im Auftrag der Gemeinde hat Erwin Kowalke, der Umbetter des Volksbundes Deutsche Kriegsgräberfürsorge, die sterblichen Überreste am 28. November in einem Sammelgrab bestattet. Am 7. Dezember 2006 setzte Steinmetzmeister Schrocke aus Eggersdorf dort einen von ihm gefertigten Gedenkstein. Er befindet sich neben dem Mahnmahl für die Petershagener Gefallenen des Ersten Weltkriegs, der (um eine Inschrift zum Gedenken der Kriegsopfer 1939-1945 ergänzt) schon 1970 vom Dorfplatz auf den Friedhof umgesetzt worden war. Der Einsatz der Kommune, an einem zentralen Ort diese Stätte des Gedenkens zu schaffen, wird als förderungswürdig anerkannt und daher mit Landesmitteln unterstützt. -hk-

Veröffentlicht in: „Das Doppeldorf“ Januar 2007, S. 22

Aus der Chronik des Klara-Zetkin-Heims

„Am 10.Oktober 1951 begann der Umzug des Kreis-altersheimes von Neuenhagen nach dem neuen Feierabendheim in Eggersdorf bei Strausberg. Schon tagelang vorher begann das Einpacken, das Wetter hat uns sehr begünstigt, sodass wir 73 Insassen alle unsere Gepäckstücke mit Ausnahme der Bettstellen und Schränke für die Ziehleute griffbereit aufstapeln konnten. Innerhalb von drei Tagen war der Umzug durch die Firma Sonneberger in Rüdersdorf mit zwei acht Meter langen Möbelwagen und einem Trecker bewerkstelligt und in einer weiteren Woche waren auch unsere Hühner und Ferkel, sowie das gesamte Kücheninventar in Eggersdorf untergebracht. Nun begann hier im neuen Heim ein emsiges Arbeiten, es kam wiederholt zu lustigen Zwischenfällen, weil zunächst kein Insasse eine Ortskenntnis besaß und sein Zimmer nicht wieder fand. Der Tischler stellte die Betten zusammen, Schränke wurden neu gestrichen und poliert, Bilder, zum Teil Ölgemälde, zum Teil private Bilder in den Stuben aufgehängt, kleine weiße Gardinen als Scheibengardinen angebracht, kurz und gut, eine jede Stube erhielt ein wohnliches Gesicht schon infolge der bereits vorhandenen Stores nebst Gardinen. -

Das Heim besteht aus zwei Etagen mit 31 Stuben, enthaltend je 2, 3 und auch 4 Betten, in jeder Stube befindet sich Zentralheizung und selbstverständlich Lampen, Pendellampen oder Deckenbeleuchtung, einzelne Stuben erhielten außerdem Steh- und Nachttischlampen. Ein Prunkzimmer ist der 4 mal 3 Meter große Lese- und der 8 mal 6 Meter große Aufenthaltsraum mit Teppichen, Eichenschränken, Vitrinen, Deckenbeleuchtung, Stehlampen, Radio usw.- Der große Speisesaal, 15 mal 12 Meter befindet sich im Erdgeschoss, und bietet allen Insassen die Möglichkeit, an 13 großen viereckigen Tischen ihre Mahlzeiten einzunehmen. In diesem großen Saal werden auch sämtliche kulturellen und sonstigen Vergnügungen abgehalten. …

Unser Feierabendheim erhielt den Namen „Klara Zetkin Heim“, den Namen unserer großen Vorkämpferin für das soziale Wesen. Herr Doktor Zetkin, der einzige überlebende Sohn, gab durch sein persönliches Erscheinen der Feierstunde sein besonderes Gepräge.“

Willi Hebebrand



Veröffentlicht in: „Das Doppeldorf“ Oktober 2006, S. 22

Aus dem Gemeindearchiv :
„Mahn- und Gedenkstätte Petershagen“
Petershagen/Bln., den 24. Januar 1968. Betr.:
Arbeit der Gemeindebibliothek Petershagen 1967/68.
Die Arbeit der Gemeindebibliothek war im Jahre 1967 ganz und gar auf die im Volkswirtschaftsplan 1967 (Absatz 7 – Kultur) vorgesehene Verlegung derselben in andere, geeignetere Räume ausgerichtet und wird auch weiterhin bis zur Verwirklichung dieses Vorhabens dahin ausgerichtet bleiben. Es ist dies dringendst erforderlich und unbedingt zu realisieren, da sonst die mit Mühe und Not gehaltene Stagnation der Leser- und Ausleihezahlen nicht weiterhin gehalten werden kann, da sich in Leserkreisen eine ablehnende Haltung gegenüber der unwürdigen Unterbringung dieser Kulturstätte abzeichnet, die ein weiteres Absinken der Leser- und Ausleihzahlen zur Folge haben muss. Es dürfte der Gemeinde Petershagen wohl nicht daran gelegen sein, dass die Bezeichnung „Mahn- und Gedenkstätte Petershagen“ für die Gemeindebibliothek, die bisher nur in Fachkreisen gebräuchlich war, auch auf die Allgemeinheit übergreift und somit innerhalb dieser zum geflügelten Wort wird.
Vergleichsweise nenne ich in der Anlage noch einige Zahlen an Lesern und Ausleihen aus einigen gleichartigen Gemeinden und deren Bibliotheken, aus denen einwandfrei hervorgeht, dass diese auf diesen Sektoren mit ganz anderen Zahlen aufwarten können. Die Stagnation dieser Zahlen in Petershagen dürfte ein Beweis dafür sein, dass es einen Grund geben muss, der dazu führt, und der für die Zukunft ein weiteres Absinken dieser Zahlen voraussehen lässt. Und dieser Grund dürfte einzig und allein in der unwürdigen Unterbringung der Bibliothek in diesem alten baufälligen Hause sein. Zweckmäßig dürfte vielleicht die Beschaffung eines abschließbaren Aushangkastens erscheinen, um mit Hilfe desselben etwas mehr Sichtwerbung vornehmen zu können. …
Als Leiter der hiesigen Gemeindebibliothek bitte ich die Abgeordneten der hiesigen Gemeindevertretung mich dahingehend zu unterstützen, dass die Bibliothek möglichst bald in für eine Kulturinstitution geeignete und solcher würdige Räume verlegt werden kann., damit auch diese Einrichtung in Petershagen aus ihrem Dornröschenschlaf erweckt und zu dem gemacht werden kann, was ihrem Zweck bestimmt ist. Ich persönlich bin fest davon überzeugt, dass unsere Gemeindebibliothek dadurch wieder zu neuem Leben erweckt werden wird.
Raethel, Bibliotheksleiter
(Der im Text erwähnte Anhang wurde weggelassen.) -hk-

Veröffentlicht in: „Das Doppeldorf“ August 2004, S. 9

Eggersdorf aktuell Nummer 1 Februar 1990

NEUANFANG
Wenn dieses Eggersdorfer Blatt jetzt erscheinen kann, ist das die Fernwirkung des 1. „Runden Tisches“ vom 30.1.90 im Kulturhaus.
Da haben die „Beteiligten“ sich zusammengefunden und die Idee ins Werk gesetzt. Das war schon ein alter Wunsch in der Gemeinde, aber dahinter steht heute die Forderung des Tages: Wir brauchen ganz schnell ehrliche und tatbereite Demokraten hier in Eggersdorf.
Sonst helfen alle Beschlüsse von oben nicht. Hier muss Farbe bekannt und ein Neuanfang gewagt werden.
Zu den Wahlen am 18. März gilt es, Menschen unter uns zu werben zu gewinnen, die Vertrauen haben oder Schritt für Schritt aufbauen. Wir alle können dazu beitragen. Wir müssen sogar! Sonst verpassen wir das Gebot der Stunde. „Wer zu spät kommt, den bestraft das Leben.“ Dazu brauchen wir Bekanntmachungen:
Informationshilfen, Versammlungen, Diskussionen usw. WAS WANN WO stattfindet und wer Verantwortung trägt!
Das alles wird hier zu finden sein Dazu Meinungsäußerungen von Bürgern dieser Gemeinde. Der „Runde Tisch“ ist ein Anfang.H.-Chr. Hoppe
[Hans Christoph Hoppe, seit 1987 Pfarrer in Eggersdorf]



Kulturhaus Eggersdorf – Informationszentrum Wahlen ’90
Alle Eggersdorfer sollen sich ein Bild machen können von der neuen Parteienlandschaft, den Bürgerinitiativen und politischen Organisationen. Kein Problem, so die Kulturhausleiterin, das Kulturhaus steht jedem offen.
Nun ist es an den Parteien und Organisationen, von dem Angebot regen Gebrauch zu machen.
Die ersten waren übrigens die SPD, PDS, Neues Forum und die LDP.




Wiederabgedruckt in :
„Das Doppeldorf“ Oktober 2005, S. 3